Unheilbar, Dauerhaft, Lebenslänglich (nervt)

Teil 1 von X, einer kleinen Gedankenreise...

Als wir vor Jahren mit einer Krebserkrankung konfrontiert wurden, hat mich die Frage beschäftigt, wie eine solche Nachricht, die Denkweise einer betroffenen Person verändert. Bei all der versuchten Ablenkung und versuchten Normalität, was geht einem durch den Kopf, wenn man eine solche Diagnose bekommt? Ab wann merkt man, ob die Ablenkung und der Alltag noch hilft, und ab wann merkt man, dass es ja eigentlich nichts mehr bringt…

Jetzt möchte ich meine Situation nicht mit der, eines krebskranken Menschen vergleichen, aber allein der medizinische Hinweis „unheilbar“, was macht der mit einem?

Wie verhält man sich, wie verändert man sich und sein handeln? 
Achtet man zu viel oder zu wenig auf seine Symptome? 
Muss man diese überhaupt beachten?

Nun war ja mein erster Gedanke „…zum Glück kein Krebs…“ ...
Und dann gab es da ja noch die ersten Monate im Schwebezustand:
Eine nicht ausdrücklich formulierte Diagnose. Es war lange eine Vermutung. Eine augenscheinlich nicht anschlagende Kortison-Therapie. Nur die Symptome. Die blieben. Die Symptome und deren Auswirkungen gingen halt nicht weg. Bis es dann nach 3 Monaten, eben nichts mehr anders sein kann.

Rein sachlich und medizinisch gesehen, Diagnose „unheilbar“.

Ich hatte bisher nur einen Schub, dessen Begleiterscheinungen anscheinend dauerhaft sein werden. Dauerhaft bedeutet schlichtweg halt auch: Unbefristet.

Somit ist die gedankliche Grundlage schon dafür bereitet, dass man für sich einen Weg finden muss, diese neue Realität und den neuen Alltag fast schon bedingungslos zu akzeptieren. Denn wenn man es genau nimmt, hat man das alles jetzt halt doch „lebenslänglich“.

Das ist jetzt so, ob ich möchte oder nicht. 

Das erste Jahr war irgendwie in der Dunstglocke meiner Sachlichkeit geprägt. Vielleicht war es auch die Dunstwolke der Kortison-Therapien, welche recht lange mögliche Erschöpfungszustände einfach verdeckt hielten, und letztendlich doch angeschlagen hat? 

So war dann auch recht lange, noch relativ viel normal.
Auf das letzte Jahr zurück geblickt, dürfte es im Herbst/Winter 2019 angefangen haben, dass die Erschöpfungzustände zugenommen haben. 

Immer wieder, und fast immer zeitversetzt, merke ich seit dem, wie oft und wie stark ich mich dann doch „über meinen Verhältnissen“ bewege.

Der Geist ist wach, der Körper schwach?
...und spätestens jetzt, fängt der Kopf an zu werkeln. 

Denn schließlich war ich es in den letzten 15 Jahren nicht gewohnt, einfach mal langsam machen zu müssen. Trotz der Pendelei, einen interessanten, wenn auch stressigen Job. Fordernde Aufgaben, fordernde Kollegen. Neue Themen und „die Bänder“ auf der ganzen Welt am Laufen zu halten.

Natürlich ist man mal stärker und mal weniger von allem betroffen.
An vielen Tagen merke ich gar nichts. An vielen Tagen ist man dann aber doch einfach nur genervt. Spätestens dann, wenn einem das Umfeld wieder signalisiert, wie geladen man ist, und auf welche Kleinigkeiten man reagiert…

Dann kommen sie halt doch wieder, die Fragen, ob das jetzt alles so bleibt, ob da noch mehr kommt? Was erwartet einen in den nächsten Jahren?

Irgendwann merkt man dann im Alltag, dass man der Erschöpfung nicht mehr ausweichen kann. Meist sind es die Momente, die keiner sieht, und in denen man nicht funktionieren muss. Ich hätte vor Jahren nicht gedacht, dass ich mal 1-2h im Sessel sitzen und nur zum Fenster rausschauen kann, ohne wirklich mal etwas zu tun.

Spätestens dann denke ich für mich: Lebenslänglich nervt…